Modalitätsspezifische Aufgabeninterferenz in Mehrfachtätigkeiten, DFG-gefördert

 
  • Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, im Schwerpunktprogramm
  • Antragsteller: Prof. Dr. Iring Koch
  • Mitantragstellerin: Dr. Denise Stephan
  • Projektmitarbeiterin: M.A. Edina Fintor
  • Laufzeit: 36 Monate, 2015-2018

Zusammenfassung

Menschliches Verhalten ist durch multiple Aufgabenanforderungen bestimmt. Die Leistung ist aber meistens in Mehrfachtätigkeiten, sogenanntem Multitasking, schlechter als in Einzelaufgaben. Insbesondere führen häufige Aufgabenwechsel im Vergleich zu Wiederholungen zu Wechselkosten. Rekonfigurationsansätze postulieren, dass diese Kosten teilweise durch einen zentralen Engpass beim Rekonfigurieren einer übergeordneten Repräsentation der kognitiven und motorischen Aufgabenanforderungen, dem sogenannten Aufgaben-Set, verursacht werden. Das Projekt zielt darauf ab, die Natur dieser Rekonfigurationsprozesse zu untersuchen. Rekonfiguration wird typischerweise als abstrakter, amodaler Prozess betrachtet, der modalitätsspezifische sensorische und motorische Prozesse kontrolliert. Allerdings zeigten neuere Befunde, dass die Wechselkosten deutlich von den spezifischen Modalitätszuordnungen, das heißt der Kompatibilität, beeinflusst werden, selbst wenn sensorische und motorische Interferenz zwischen den Kompatibilitätsbedingungen konstant gehalten wird. Wir gehen davon aus, dass diese Modalitätskompatibilitätseffekte nicht auf Merkmalen der Stimulusverarbeitung, sondern auf Merkmalen der Handlungssteuerung basieren. Ausgehend von der Idee der ideomotorischen Theorie, dass Handlungen eine Antizipation ihrer sensorischen Effekte vorausgeht, sind demnach solche Stimuli modalitätskompatibel, die zur Modalität der antizipierten Handlungseffekte passen, zum Beispile erzeugen vokale Reaktionen auditive Effekte, so dass auditiv-vokale Aufgaben modalitätskompatibel sind. Entsprechend sollte das Wechseln zwischen modalitätskompatiblen Aufgaben zu geringeren Kosten führen als das Wechseln zwischen inkompatiblen Aufgaben, weil letztere mehr Interferenz zwischen den Aufgaben auf der zentralen Ebene der Zuordnungen erzeugen. In drei Serien von Experimenten beabsichtigen wir erstens strukturelle Aspekte von Aufgaben-Sets durch diverse Manipulationen von Modalitätszuordnungen zu untersuchen. Wir untersuchen auch zweitens die Flexibilität der Kontrolle des Aufgaben-Sets, indem wir Effekte der Aufgabenvorbereitung sowie der Hemmung konkurrierender Aufgaben auf den Einfluss der Modalitätskompatibilität erfassen. Hemmung messen wir als n-2 Aufgabenwiederholungskosten, sogenannter backward inhibition, beim Wechseln zwischen drei Aufgaben, die durch drei verschiedene Reiz- und Reaktionsmodalitäten definiert sind. Schließlich untersuchen wir drittens die Plastizität der Stärke von Modalitätszuordnungen, indem wir kurzzeitige Übung variieren sowie den Einfluss von sowohl altersassoziierten kognitiven Veränderungen als auch von Expertise mit selbsterzeugten Handlungseffekten bei Musikern erfassen. Insgesamt trägt das Projekt zu den Zielen des Forschungsrahmens des SPP1772 bei, das die Integration theoretischer Perspektiven beabsichtigt, die sich im Hinblick auf ihren jeweiligen Fokus auf Struktur, Flexibilität und Plastizität von Aufgaben-Sets in menschlichen Mehrfachtätigkeiten unterscheiden.

Ausgewählte Publikationen

Stephan, D. N., & Koch, I. (2015). Modality-specific effects on crosstalk in task switching – Evidence from modality compatibility. Psycholgical Research.

Stephan, D. N., & Koch, I. (2015). Tactile Stimuli Increase Effects of Modality Compatibility in Task Switching. Experimental Psychology. doi: 10.1027/1618-3169/a000291

Stephan, D. N., Koch, I., Hendler, J., & Huestegge, L. (2013). Task switching, modality compatibility, and the supramodal function of eye movements. Experimental Psychology, 60, 90-99.

Stephan, D. N., & Koch, I. (2011). The role of input-output modality compatibility in task switching. Psycholgical Research, 75, 491-498.

Stephan, D. N., & Koch, I. (2010). Central crosstalk in task switching – Evidence from manipulating input-output modality compatibility. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, & Cognition, 36, 1075-1081.